Wahrheit oder Pflicht

Vom Umgang mit Leistungs- und Verhaltensdefiziten


Als Führungskraft steht man immer wieder vor der sehr unangenehmen Aufgabe, Mitarbeitenden ihre Leistungs- oder Verhaltensdefizite vor Augen zu führen. Manchmal braucht es ein paar Monate bis man merkt, welche Mitarbeitenden ihre Leistung / ihr Verhalten richtig einschätzen und wo Fremd- und Eigenbild voneinander abweichen. Wenn Fremd- und Eigenbild auseinander klafft, gibt es - vereinfacht gesagt - zwei Ausprägungen: Es gibt diejenigen, die sich unterschätzen und deshalb immer wieder eine Impfung Selbstvertrauen erhalten sollten. Und dann gibt es diejenigen, die sehr von sich selbst überzeugt sind, die aber Ihre Erwartungen, die Ihres Unternehmens oder des Umfelds nicht erfüllen. Um Letztere soll es heute gehen. 

Watteverpackt oder knallharte Ehrlichkeit?

Gerade in meinen Anfangsphasen als Führungsfrau wollte ich nicht wahrhaben, dass es dieses "Exemplar Mensch" tatsächlich gibt. Es widersprach so sehr meinen eigenen Werten und meinem Charakter (ich reflektiere viel und versuche ständig besser zu werden). Aber wie so oft im Führungsalltag: man soll nicht von sich selbst auf Andere schliessen! 

Nach dieser Erkenntnis habe ich versucht, die betreffenden Mitarbeitenden durch sanfte Bemerkungen und Andeutungen auf das Problem hinzuweisen. In wenigen Fällen hat das zum Erfolg geführt. Bei den hartnäckigen Fällen stellte ich schnell fest, dass diese verpackten Apelle oft überhaupt keinen Anklang fanden. Zu guter Letzt kam ich zum Schluss, dass es nur mit klarer und direkter Kommunikation ohne Beschönigung geht: die Wahrheit ist Pflicht! Am besten wird sie in sehr direkten Ich-Botschaften vermittelt. Keine Watte, kein "vielleicht" und "etwas" und "ein bisschen" und "es wäre schön, wenn..." Stattdessen klare und direkte Worte: "ich erwarte...", "so erlebe ich dich..." (mehrere Beispiele sind zwingend), "das passt in meinen Augen nicht überein". 

Reaktion

Der Schock ist gross, die Reaktion des Gegenübers kann sehr verschieden ausfallen und oft auch emotional werden. Es ist wichtig, dem Mitarbeitenden im Anschluss psychologische Sicherheit zu vermitteln. Sagen Sie, dass Sie gemeinsam daran arbeiten werden, dass der Job (vorerst) nicht in Gefahr ist, dass Sie Lösungen finden werden. Aber versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Wiederholen Sie diese Zusagen mehrmals, damit sie beim Gegenüber überhaupt ankommen. Brechen Sie das Gespräch danach ab und führen Sie es ein paar Tage später weiter. Bleiben Sie in dieser Zeit in der Nähe des Mitarbeitenden damit dieser jederzeit das Gespräch mit Ihnen suchen kann, wenn die Verunsicherung zu gross wird.

Die weiteren Schritte

Beim nächsten offiziellen Gesprächstermin können Sie ein gemeinsames Entwicklungsziel definieren und gezielt an Lösungen arbeiten. Die weitere enge Begleitung des Mitarbeitenden ist essenziell. Ich habe es nur selten erlebt, dass nach diesem ersten unangenehmen Tatsachen-Gespräch weitere nötig waren um die Mitarbeitenden zur gleichen Erkenntnis zu bringen. Oft kommt das Verständnis sehr schnell und meist hilft dann auch das Umfeld, weil Drittpersonen Ihre Einschätzung im direkten Gespräch mit den Betroffenen bestärken. Sie lösen eine Lawine aus mit Ihren klaren Worten, die Ihnen meist sehr hilft. Es liegt an Ihnen als Führungskraft, diesen Stein ins Rollen zu bringen und ihn dann auch angemessen in Schach zu halten (ein "Bashing" des gesamten Teams auf die betreffende Person muss z.B. vermieden werden). Deshalb ist es im Führungsalltag nicht wie beim Flaschenspielen - man kann nicht wählen zwischen Wahrheit oder Pflicht. Die Wahrheit IST Pflicht - auch wenn sie schmerzt und Sie sich damit im ersten Moment unbeliebt machen.  

Wie Coaching hilft

In einem solchen Kontext kann Coaching die Führungskraft unterstützen, in dem z.B. die Mitarbeiter-Gespräche gemeinsam vorbereitet werden oder eigene Widerstände bearbeitet werden. Andererseits kann Coaching auch eingesetzt werden, um die betreffende Arbeitskraft zu begleiten und die weiteren nötigen Entwicklungsschritte zu unterstützen. Gerne stehe ich dafür zur Verfügung. Weitere Infos sind hier zu finden: Link

Quelle Bild: ChatGPT

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